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| Die Predigt |
Der Staffelstab
als Symbol
Einen Staffelstab habe ich in der Hand. Einen Stab, wie er in der
Leichtathletik bei Staffelläufen verwendet wird. Einen Stab,
der bei einem solchen Lauf von einer Hand zur andern weitergereicht
wird.
Ein Staffellauf ist eine Gemeinschaftsleistung: Es kommt sowohl auf
den einzelnen, aber auch auf die Zusammenarbeit und auf die Gemeinschaft
an. Jede und jeder bringt seine eigenen Möglichkeiten ein und
hat damit auch Anteil am gemeinsamen Erfolg. Damit ein Staffellauf
gelingt, muss die Übergabe des Stabes gelingen.
Wie komme ich heute Morgen auf dieses Bild?
Gründung des Kirchenbauvereins
Vor nahezu 50 Jahren wurde am 19. Juli 1958 der Kirchenbauverein Bayreuth-Saas
gegründet. Bei der Grundsteinlegung am 2. September 1961 wurde
die Kupferkassette, die später eingemauert wurde, mit Dokumenten
der damaligen Zeit gefüllt. Darunter befindet sich auch eine
Liste mit den damaligen 339 Mitgliedern des Kirchenbauvereins. Als
Nachwort zu diesen Namen hat Pfarrer Gerhard Spieß geschrieben:
„Im Buche Nehemia Kap. 3 sind die Namen derer aufgeschrieben,
die die Mauern Jerusalems bauen helfen. So seien Euch Nachfahren auch
die Namen derer überliefert, die als Mitglieder des Evang. Kirchbau-Vereins
Bayreuth-Saas mithalfen und mithelfen, das erste Gotteshaus der Tochterkirchengemeinde
Bayreuth-Saas zu bauen. Diese Generation erkennt die von Gott gestellte
Aufgabe und führt sie unter seinem Segen aus. Gebt auch Ihr die
Stafette des Glaubens einsatzfreudig und gehorsam weiter!“
50 Jahre später können wir sagen, dass auf dem damaligen
Vorhaben Segen lag. Und wir danken als Nachfahren für die damals
geleistete Arbeit. Das Bild von der Stafette des Glaubens sagt: Jede
Generation soll dankbar sein für die vorhergehende. Jede Generation
soll aber auch ihre eigene Aufgabe erkennen.
Den Stab weitergeben
Die Stafette des Glaubens „einsatzfreudig und gehorsam weitergeben“.
Was könnten diese Worte von Pfarrer Gerhard Spieß heute
bedeuten?
Wir sind 50 Jahre nach der Gründung des Kirchenbauvereins auch
wieder am Bauen, aber was die Jugendarbeit angeht. Und „Bauen“
ist wie immer geistlich und handwerklich zu verstehen: So viele Kinder
und Jugendliche wie vorher noch nie treffen sich regelmäßig.
Es gibt viel Bereitschaft zu ehrenamtlicher Mitarbeit. Ein Förderverein
zur Anstellung eines Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin wurde gebildet
und wirbt um Mitglieder. Geistlich gesehen steht dahinter die wichtigere
Aufgabe, den Staffelstab des Glaubens an die nächste Generation,
an die Kinder und Jugendlichen weiterzugeben.
Doch wenn Glaube leben soll, braucht er auch Räume zum Leben.
Und deswegen ist Bauen auch handwerklich zu verstehen, indem die Räume
unter der Kirche, die größtenteils noch im Stand von 1962
sind, für die Jugendarbeit saniert werden sollen.
So wie das Untergeschoss unserer Kirche mit seinen Grundmauern der
feste und tragfähige Grund unserer Kirche ist, so sind unsere
Kinder und Jugendlichen der Grundstock unserer weiteren kirchlichen
Arbeit.
Aufeinander aufbauen
Wir geben damit die Stafette des Glaubens weiter, wie Pfarrer Gerhard
Spieß sagt. Dieses Bild gibt es in der Bibel nicht, aber ein
ähnliches: Wir bauen aufeinander auf. Eine Generation baut auf
der anderen auf im Namen und im Auftrag Gottes. So schreibt der Apostel
Paulus in seinem Brief an die Gemeindeglieder in Korinth:
9 Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes
Bau. 10 Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund
gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder
aber sehe zu, wie er darauf baut.
Wenn Paulus hier die christliche Gemeinde in der griechischen Stadt
Korinth als Gottes Ackerfeld und Gottes Bau bezeichnet, dann denkt
er an die Missions- und Aufbauarbeit, die er als Apostel dort im Namen
Gottes geleistet hat. Gottes Ackerfeld und Gottes Bau ist die Gemeinde.
Korinth ist also nicht seine, des Paulus Gemeinde. Eine Gemeinde gehört
nicht einem Pfarrer, auch nicht einem Kirchenvorstand. Eine Gemeinde
und ihre Menschen gehören Gott. Sie sind für die Verantwortlichen
eine Art Leihgabe Gottes für eine begrenzte Zeit. Eine Leihgabe,
die man zu gegebener Zeit wieder hergeben und dann auch dafür
Rechenschaft ablegen muss.
Vorgänger und Nachfolger
Wenn Paulus schreibt: „Wir sind Gottes Mitarbeiter.“ Dann
meint er damit alle, die an der jungen Gemeinde dort in Korinth Dienst
getan haben. Er meint sich selbst und vor allem noch einen zweiten,
der in diesen Versen hier nicht, aber doch weiter vorne mit Namen
genannt wird. Einen Apostel mit Namen Apollos nämlich, der nach
ihm dort gewirkt hat. Der ist offenbar der bessere Redner gewesen.
Er hatte offenbar mehr Erfolg. Als „beredter Mann und gelehrt
in der Schrift“ wird er in der Apostelgeschichte des Lukas bezeichnet
(Apg 18,24). Offenbar wurden Paulus und sein Nachfolger miteinander
verglichen, und Paulus schnitt von Erfolg und Auftreten her deutlich
schlechter ab. Wer wäre in einem solchen Zusammenhang wirklich
ganz frei von menschlichen Gefühlen und Regungen?
Aber dann bringt Paulus doch mit aller Deutlichkeit die Sache auf
den Punkt, auf den es ankommt: Es ist ungeistlich und unangebracht,
auf die Menschen und ihre Leistungen zu schauen, geschweige denn,
sie zu vergleichen. Denn, der da in allen am Werk ist, ist Gott selbst.
Die Menschen sind allemal nur seine Diener und Werkzeuge: 5 Wer
ist nun Apollos? Wer ist Paulus? Diener sind sie, durch die ihr gläubig
geworden seid, und das, wie es der Herr einem jeden gegeben hat: 6
Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen
gegeben. 7 So ist nun weder der pflanzt noch der begießt etwas,
sondern Gott, der das Gedeihen gibt. 8 Der aber pflanzt und der begießt,
sind einer wie der andere. Jeder aber wird seinen Lohn empfangen nach
seiner Arbeit.
Christus als Grund
Und dann der zentrale Satz in dem ganzen Abschnitt, der den Blick
endgültig weg lenkt von den Menschen und hinlenkt zu dem, auf
den es wirklich und einzig ankommt:
11 Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist,
welcher ist Jesus Christus.
Darauf kommt es an. Das sollte die Aufgabe und das Ziel allen Bauens
sein: Dass der Glaube an Jesus Christus an die nächste Generation
weitergegeben wird. Dass auch die nächste Generation eine geistliche
Basis erhält, mit der sie die Herausforderungen ihrer Zeit bestehen
kann.
Dass Christus der Grund des ganzen Kirchbaus ist, das haben wir symbolisch
in unserer Kirche mit dem Christusmonogramm im Untergeschoss: Unten
im Vorraum vor dem ehemaligen Gemeinderaum. Im Deutschen sehen wir
ein X und ein P. Im Griechischen sind es die Buchstaben Chi und Rho,
also CH und R, die ersten Buchstaben des Wortes Christus.
Christus als den Grund nicht vergessen, hat deswegen zwei wichtige
Folgen. Zum einen: Wenn wir im Rahmen der Sanierungsarbeiten diese
Wand und das Christusmonogramm angreifen sollten, haben wir natürlich
die Aufgabe, es zu retten und anderswo anzubringen. Und: Wir dürfen
uns nicht nur mit dem handwerklichen Bauen zufriedengeben. Schöne
Räume allein machen junge Menschen nicht zu fröhlichen Christen.
Unser Vorbild und unser Bekenntnis sind gefragt.
Gott schenke uns für beides sein Gelingen. Amen |
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