Evang.-Luth. Kirchengemeinde Bayreuth-Auferstehungskirche

Die Predigt vom 6. Juli 2008 (Kirchweihe):
»Den Stab nicht fallen lassen«

Kirchenjahr
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Der Ort der Predigt im Kirchenjahr
Die Evangelische Kirche beging den 7. Sonntag nach Trinitatis. Sein Thema ist das Abendmahl. Evangelium (1. Lesung) war die Speisung der 5000 und Epistel (2. Lesung) die Darstellung der Apostelgeschichte von der Urgemeinde. Wegen der Kirchweihe wurde ein anderer Predigttext aus 1. Korinther 3 gewählt:
Predigttext
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Der Predigttext
5 Wer ist nun Apollos? Wer ist Paulus? Diener sind sie, durch die ihr gläubig geworden seid, und das, wie es der Herr einem jeden gegeben hat: 6 Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben. 7 So ist nun weder der pflanzt noch der begießt etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt. 8 Der aber pflanzt und der begießt, sind einer wie der andere. Jeder aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit. 9 Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. 10 Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.11 Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
Predigt
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Die Predigt
Der Staffelstab als Symbol

Einen Staffelstab habe ich in der Hand. Einen Stab, wie er in der Leichtathletik bei Staffelläufen verwendet wird. Einen Stab, der bei einem solchen Lauf von einer Hand zur andern weitergereicht wird.
Ein Staffellauf ist eine Gemeinschaftsleistung: Es kommt sowohl auf den einzelnen, aber auch auf die Zusammenarbeit und auf die Gemeinschaft an. Jede und jeder bringt seine eigenen Möglichkeiten ein und hat damit auch Anteil am gemeinsamen Erfolg. Damit ein Staffellauf gelingt, muss die Übergabe des Stabes gelingen.
Wie komme ich heute Morgen auf dieses Bild?

Gründung des Kirchenbauvereins

Vor nahezu 50 Jahren wurde am 19. Juli 1958 der Kirchenbauverein Bayreuth-Saas gegründet. Bei der Grundsteinlegung am 2. September 1961 wurde die Kupferkassette, die später eingemauert wurde, mit Dokumenten der damaligen Zeit gefüllt. Darunter befindet sich auch eine Liste mit den damaligen 339 Mitgliedern des Kirchenbauvereins. Als Nachwort zu diesen Namen hat Pfarrer Gerhard Spieß geschrieben:
„Im Buche Nehemia Kap. 3 sind die Namen derer aufgeschrieben, die die Mauern Jerusalems bauen helfen. So seien Euch Nachfahren auch die Namen derer überliefert, die als Mitglieder des Evang. Kirchbau-Vereins Bayreuth-Saas mithalfen und mithelfen, das erste Gotteshaus der Tochterkirchengemeinde Bayreuth-Saas zu bauen. Diese Generation erkennt die von Gott gestellte Aufgabe und führt sie unter seinem Segen aus. Gebt auch Ihr die Stafette des Glaubens einsatzfreudig und gehorsam weiter!“
50 Jahre später können wir sagen, dass auf dem damaligen Vorhaben Segen lag. Und wir danken als Nachfahren für die damals geleistete Arbeit. Das Bild von der Stafette des Glaubens sagt: Jede Generation soll dankbar sein für die vorhergehende. Jede Generation soll aber auch ihre eigene Aufgabe erkennen.

Den Stab weitergeben

Die Stafette des Glaubens „einsatzfreudig und gehorsam weitergeben“. Was könnten diese Worte von Pfarrer Gerhard Spieß heute bedeuten?
Wir sind 50 Jahre nach der Gründung des Kirchenbauvereins auch wieder am Bauen, aber was die Jugendarbeit angeht. Und „Bauen“ ist wie immer geistlich und handwerklich zu verstehen: So viele Kinder und Jugendliche wie vorher noch nie treffen sich regelmäßig. Es gibt viel Bereitschaft zu ehrenamtlicher Mitarbeit. Ein Förderverein zur Anstellung eines Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin wurde gebildet und wirbt um Mitglieder. Geistlich gesehen steht dahinter die wichtigere Aufgabe, den Staffelstab des Glaubens an die nächste Generation, an die Kinder und Jugendlichen weiterzugeben.
Doch wenn Glaube leben soll, braucht er auch Räume zum Leben. Und deswegen ist Bauen auch handwerklich zu verstehen, indem die Räume unter der Kirche, die größtenteils noch im Stand von 1962 sind, für die Jugendarbeit saniert werden sollen.
So wie das Untergeschoss unserer Kirche mit seinen Grundmauern der feste und tragfähige Grund unserer Kirche ist, so sind unsere Kinder und Jugendlichen der Grundstock unserer weiteren kirchlichen Arbeit.

Aufeinander aufbauen

Wir geben damit die Stafette des Glaubens weiter, wie Pfarrer Gerhard Spieß sagt. Dieses Bild gibt es in der Bibel nicht, aber ein ähnliches: Wir bauen aufeinander auf. Eine Generation baut auf der anderen auf im Namen und im Auftrag Gottes. So schreibt der Apostel Paulus in seinem Brief an die Gemeindeglieder in Korinth:
9 Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. 10 Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.
Wenn Paulus hier die christliche Gemeinde in der griechischen Stadt Korinth als Gottes Ackerfeld und Gottes Bau bezeichnet, dann denkt er an die Missions- und Aufbauarbeit, die er als Apostel dort im Namen Gottes geleistet hat. Gottes Ackerfeld und Gottes Bau ist die Gemeinde. Korinth ist also nicht seine, des Paulus Gemeinde. Eine Gemeinde gehört nicht einem Pfarrer, auch nicht einem Kirchenvorstand. Eine Gemeinde und ihre Menschen gehören Gott. Sie sind für die Verantwortlichen eine Art Leihgabe Gottes für eine begrenzte Zeit. Eine Leihgabe, die man zu gegebener Zeit wieder hergeben und dann auch dafür Rechenschaft ablegen muss.

Vorgänger und Nachfolger

Wenn Paulus schreibt: „Wir sind Gottes Mitarbeiter.“ Dann meint er damit alle, die an der jungen Gemeinde dort in Korinth Dienst getan haben. Er meint sich selbst und vor allem noch einen zweiten, der in diesen Versen hier nicht, aber doch weiter vorne mit Namen genannt wird. Einen Apostel mit Namen Apollos nämlich, der nach ihm dort gewirkt hat. Der ist offenbar der bessere Redner gewesen. Er hatte offenbar mehr Erfolg. Als „beredter Mann und gelehrt in der Schrift“ wird er in der Apostelgeschichte des Lukas bezeichnet (Apg 18,24). Offenbar wurden Paulus und sein Nachfolger miteinander verglichen, und Paulus schnitt von Erfolg und Auftreten her deutlich schlechter ab. Wer wäre in einem solchen Zusammenhang wirklich ganz frei von menschlichen Gefühlen und Regungen?
Aber dann bringt Paulus doch mit aller Deutlichkeit die Sache auf den Punkt, auf den es ankommt: Es ist ungeistlich und unangebracht, auf die Menschen und ihre Leistungen zu schauen, geschweige denn, sie zu vergleichen. Denn, der da in allen am Werk ist, ist Gott selbst. Die Menschen sind allemal nur seine Diener und Werkzeuge: 5 Wer ist nun Apollos? Wer ist Paulus? Diener sind sie, durch die ihr gläubig geworden seid, und das, wie es der Herr einem jeden gegeben hat: 6 Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben. 7 So ist nun weder der pflanzt noch der begießt etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt. 8 Der aber pflanzt und der begießt, sind einer wie der andere. Jeder aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit.

Christus als Grund

Und dann der zentrale Satz in dem ganzen Abschnitt, der den Blick endgültig weg lenkt von den Menschen und hinlenkt zu dem, auf den es wirklich und einzig ankommt:
11 Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
Darauf kommt es an. Das sollte die Aufgabe und das Ziel allen Bauens sein: Dass der Glaube an Jesus Christus an die nächste Generation weitergegeben wird. Dass auch die nächste Generation eine geistliche Basis erhält, mit der sie die Herausforderungen ihrer Zeit bestehen kann.

Dass Christus der Grund des ganzen Kirchbaus ist, das haben wir symbolisch in unserer Kirche mit dem Christusmonogramm im Untergeschoss: Unten im Vorraum vor dem ehemaligen Gemeinderaum. Im Deutschen sehen wir ein X und ein P. Im Griechischen sind es die Buchstaben Chi und Rho, also CH und R, die ersten Buchstaben des Wortes Christus.
Christus als den Grund nicht vergessen, hat deswegen zwei wichtige Folgen. Zum einen: Wenn wir im Rahmen der Sanierungsarbeiten diese Wand und das Christusmonogramm angreifen sollten, haben wir natürlich die Aufgabe, es zu retten und anderswo anzubringen. Und: Wir dürfen uns nicht nur mit dem handwerklichen Bauen zufriedengeben. Schöne Räume allein machen junge Menschen nicht zu fröhlichen Christen. Unser Vorbild und unser Bekenntnis sind gefragt.
Gott schenke uns für beides sein Gelingen. Amen
Evang.-Luth. Pfarramt Auferstehungskirche • Erikaweg 33 • 95447 Bayreuth • Tel. 0921-65270 • Fax 0921-75766289
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