"Tragt in die Welt nun ein Licht." So haben die Kinder
gesungen. "Tragt in die Welt nun ein Licht:" So wie der kleine
Hirte Simon Licht in das Leben anderer brachte, aber doch zuletzt
noch genug übrig hatte.
"Helfen? Mir kann niemand helfen." So sagt traurig der erste,
dem der kleine Simon auf dem Weg begegnete. Ein enttäuschter
Mensch, vielleicht von Gott und Menschen enttäuscht. Lange schon
ist niemand freundlich zu ihm gewesen. Und nun wird sein Weg auf
einmal heller, und sein versteinertes Herz wird warm.
Und dann, bei der zweiten Begegnung, erhält sogar der Wolf ein
Licht. Der Wolf, der Böse, der, vor dem sich alle fürchten.
Wer weiß, wieviele da unter uns leben, die sich geben wie ein
Wolf: böse, brummig, bissig und unfreundlich. Aber letztlich
warten sie vielleicht heimlich darauf, daß sie kein Wolf mehr
bleiben müssen. Im tiefsten Grund ihres Herzens suchen sie hinter
ihrer Wolfsfassade nach Freundlichkeit, Freundschaft und Liebe.
Die dritte Begegnung führt Simon zu einem Bettler. Er kann ihm
nicht mit Geld helfen, sondern nur mit seinem Licht, mit Liebe und
mit Wärme.
Sicher, ohne Geld kann man nicht satt werden. Wenn da einer am
Wegrand sitzt und wirklich bedürftig ist, ist ihm mit einem
freundlichen Blick von uns allein nicht gedient. Aber wenn wir
doch wenigstens das für ihn übrig hätten in der adventlichen
Hektik. Haben Sie schon einmal jemand, der da saß, angesprochen
und nach seinem Leid gefragt? Ich auch noch nicht. Warum eigent-
lich nicht?
Und dann zum Ende der Geschichte ist mir ein Satz eingefallen,
der heißt: "Das einzige, was mehr wird, wenn man es teilt, ist die
Liebe." Stimmt das? Gilt das nicht auch für andere Dinge, wie z.B.
für das Licht? Wird nicht auch das Licht mehr, wenn man es
untereinander teilt und einander weitergibt?
"Tragt in die Welt nun ein Licht." So haben die Kinder vorhin
gesungen und uns damit aufgefordert, es dem Hirten Simon
gleichzutun. Nun lade ich Sie ein zu dem Lied: "Wir tragen dein
Licht in die Welt hinein, dann wird es nicht länger dunkel sein."
Vielleicht sind dann auch welche unter uns, die das in den
nächsten Tagen und Wochen nicht nur singen, sondern auch tun. Wer
weiß, wer alles auf einen Lichtblick wartet: auf einen Besuch,
einen Trost, einen Zuspruch, einen Händedruck ...?
Amen
Fürbitten
Ich lade Sie ein zum gemeinsamen Gebet. Wir denken an alle, die gerade in dieser Zeit
vielleicht noch trauriger sind als sonst. Wir wollen ihre Not vor Gott bringen. Stimmen Sie
nach jeder Bitte gemeinsam ein: "Herr, bringe Licht in unser Leben."
(1) Vater im Himmel, du möchtest, daß es in dieser Zeit bei einem jeden von uns hell
werden kann. Du schenkst uns das Licht in Jesus, deinem Sohn.
(2) Wir bitten dich für alle Traurigen unter uns: Sie sehen kein Licht mehr. Die Zukunft
erscheint ihnen nicht mehr lebenswert.
Gemeinsam rufen wir zu dir: Herr, bringe Licht in unser Leben.
(3) Wir bitten dich für alle Kranken unter uns: Sie sehen kein Licht mehr. Langsam
erlahmt ihre Hoffnung.
Gemeinsam rufen wir zu dir: Herr, bringe Licht in unser Leben.
(4) Wir bitten dich für alle Einsamen unter uns: Sie sehen kein Licht mehr. Sie fühlen sich
von dir und von uns verlassen.
Gemeinsam rufen wir zu dir: Herr, bringe Licht in unser Leben.
(5) Wir bitten dich für alle Gedankenlosen unter uns: Sie entdecken dich nicht mehr. Sie
entdecken ihren Mitmenschen nicht mehr.
Gemeinsam rufen wir zu dir: Herr, bringe Licht in unser Leben.
(1) Vater im Himmel, laß es hell werden bei allen, die kein Licht mehr sehen in ihrem
Leben. Zeige uns, wo wir gebraucht werden.
Gemeinsam rufen wir zu dir mit den Worten, die uns Jesus gelehrt hat: