Eine
Frage an die Erwachsenen vorweg: Kennen Sie Ihren Konfirmationsspruch
noch? ... Wenn ja, dann freut es mich. Wenn nein,
dann nehmen Sie diesen Gottesdienst doch zum Anlass, sich wieder
einmal darauf zu besinnen. Sie haben damals ja sicher auch einen
Konfirmandenschein, ein Konfirmandenkreuz oder etwas Ähnliches
bekommen. Gerne schaue ich auch im Konfirmationsbuch für Sie
nach.
Ich habe die Konfirmanden vor drei Wochen gebeten, sich auf die
Suche nach einem Konfirmandenspruch zu machen, z.B. mit Hilfe der
Zusammenstellung im neuen Gesangbuch, aus einer Liste von Aufklebern
für die Konfirmandenkreuze oder auch aus den fettgedruckten
Kernstellen der Bibel. Auch ihre Taufsprüche, soweit sie bekannt
waren, sollten sie mitbedenken.
Es gilt nun, mit diesem ausgewählten Spruch Freundschaft zu
schließen und ihn kennenzulernen. Das ist so ähnlich,
wie wenn man einen Menschen kennen- und lieben lernen will. Es geht
nur, wenn man sich auf ihn einlässt, mit ihm ins Gespräch
kommt. Nicht immer gibt es eine Liebe auf den ersten Blick, sondern
das Kennenlernen ist ein Weg.
Das Ergebnis dieses Kennenlernens werden die Konfirmanden heute
der Gemeinde vorstellen, jede und jeder für sich. Zum ersten
Mal sollen sie öffentlich zu dem stehen, was sie sich gewählt
haben.
Ich will dann selbst zu jedem der Sprüche aus meiner Sicht
noch ein paar Worte sagen. Wir gehen nach dem Alphabet vor und ich
bitte die Konfirmandinnen und Konfirmanden heraus ans Lesepult.
In der Bibel habe ich die Konfirmanden u.a. auf die Psalmen und
das Johannesevangelium hingewiesen, wo sich viele ermutigende Worte
finden. Es folgen drei Psalmworte und zwei aus Johannes.
Maike Asen
Ps 32,10b: "Wer auf den HERRN hofft, den wird die Güte
umfangen."
Psalm 32 ist der sog. zweite Bußpsalm. Sein Kern: Wenn jemand
Gott ehrlich seine Sünden bekennt, wird ihm vergeben. Den umgibt
er mit seiner Güte wie mit einem Schutzmantel. Wer ohne Gott
lebt, muss mit seiner Schuld alleine zurechtkommen.
Johannes Bär
Ps 103,13: "Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt,
so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten."
Im Psalm 103 betet ein Mensch, der gerade etwas Gutes erfahren hat
und dafür dankbar ist. Wahrscheinlich ist er gesund geworden.
Gott hat sich seiner erbarmt, so wie sich ein guter Vater seines
Kindes annimmt. Fürchten, damit ist nicht Angst, sondern Ehrfurcht
gemeint.
Andy Gradel
Ps 126,5: "Die mit Tränen säen, werden mit Freuden
ernten."
Die Israeliten sitzen in Babylonien in der Gefangenschaft und sehnen
sich nach ihrer Heimkehr. Sie behalten aber die Hoffnung. Die Tränen,
die sie jetzt vergießen, werden einmal wieder der Freude weichen.
Hannes Huttinger
Joh 10,11: "Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Der
gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe."
In den sog. "Ich-bin-Worten" sagt Jesus, wie man ihn verstehen
soll: Ich bin das Brot des Lebens, die Tür, das Licht der Welt,
der Weinstock. Und auch: der gute Hirte. Also einer, auf den man
sich voll und ganz verlassen kann. Einer, der bis zum Äußersten
zu einem steht.
Ina Jäckel
Joh 16,33b: "Christus spricht: In der Welt habt ihr Angst;
aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden."
Jesus bereitet seine Jünger auf seinen Abschied vor. Ohne ihn
und seine sichtbare Nähe werden sie manchmal auch Angst haben.
Das gehört zum Leben. Mut macht er ihnen, indem er sie daran
erinnert, dass er stärker ist als alles auf der Welt, was ihnen
Angst machen kann.
Auch unter den nächsten fünf sind drei Psalmworte und
ein Wort aus Johannes, dazu eines aus dem eher unbekannten Buch
Tobias.
Alexander Kühnlein
Ps 121,2: "Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und
Erde gemacht hat."
In dem Psalm spricht ein Mensch, der sich auf einen weiten, unbekannten
Weg macht. Was mag ihm alles begegnen? Er tut, was auch für
uns gut wäre: Bevor er aufbricht, hält er inne und besinnt
sich. Er schaut zu Gott auf und ist überzeugt: Er wird ihm
beistehen.
Helena Lasko
Joh 8,12: "Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt.
Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern
wird das Licht des Lebens haben.
"
Ein weiteres "Ich-bin-Wort" von Jesus, wie wir es vorhin
schon gehört haben. Ich bin das Licht der Welt. Licht macht
hell. Licht schenkt
Orientierung. Licht nimmt die Angst. Dasselbe soll man sich von
Jesus erwarten.
Tanja Meyer
Ps 121,5-6: "Der HERR behütet dich; der HERR ist dein
Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die
Sonne nicht steche noch der
Mond des Nachts."
Weitere Verse aus dem Gebet dessen, der sich auf einen weiten Weg
macht. Beispiel dafür, wie Gott unterwegs behütet. Vor
Sonne und Mond, die man sich als Götter dachte, hatten die
damaligen Angst. Wer heute auf Sterne oder Horoskope vertraut, verfällt
dem gleichen Aberglauben. Sich
Gottes Begleitung zu vergewissern, ist genug.
Stefanie Müller
Tob 4,9: "Hast du viel, so gib reichlich; hast du wenig,
so gib doch das Wenige von Herzen."
Das Buch Tobias findet sich in den sog. Apokryphen, die nicht in
jeder Bibel stehen. Es handelt von Vater und Sohn Tobias. Im Kapitel
4 nimmt der Vater am Lebensende von seinem Sohn Abschied und hinterlässt
ihm seine Lebenserkenntnisse. Unter anderem: Du wirst einmal nichts
mitnehmen. Also gib zu Lebzeiten. Gib von Herzen. Gib, auch wenn
es wenig ist.
Hanna Raithel
Ps 91,11: "Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie
dich behüten auf allen deinen Wegen."
"Unter Gottes Schutz" ist der Psalm 91 überschrieben.
Wie Gott beschützt, wird in Bildern gesagt. Wie eine Burg,
wie unter Flügeln. Und: Er begleitet einen wie ein Schutzengel.
Engel, das sind keine eigenständigen Fabelwesen. Engel sind
ein Bild für Gottes Begleitung.
Auch unter den nächsten fünf drei Worte aus dem Johannesevangelium.
Wer länger gesucht hat, ist aber auch noch auf andere Schätze
gestoßen.
Christoph Retsch
Joh 12,46: "Christus spricht: Ich bin in die Welt gekommen
als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis
bleibe."
Jesus erinnert an das vorhin schon gehörte "Ich-bin-Wort"
"Ich bin das Licht der Welt." Ohne Licht tappt ein Mensch
im Dunkeln. Er hat keine
Orientierung. Das gilt übertragen auch für den Lebensweg,
für die Frage nach dem Sinn. Jeder braucht Orientierung und
Sinn im Leben. Jesus
bietet sich an.
Sabrina Roß
Mt 18,20: "Christus spricht: Wo zwei oder drei versammelt
sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen."
Auf den Gottesdienst wird dieses Wort im Allgemeinen übertragen.
Gott ist unsichtbar da, wenn wir uns in seinem Namen versammeln.
Eigentlich steht es im Zusammenhang des Gebets: Wenn zwei miteinander
von Herzen dasselbe erbitten, dann wird es ihnen geschenkt werden.
Alexander Schmidt
Joh 12,36a: "Glaubt an das Licht, solange ihr's habt, damit
ihr Kinder des Lichtes werdet."
Und noch einmal eine andere Erinnerung an Jesu Wort "Ich bin
das Licht der Welt". Greift zu, wenn euch Licht und Orientierung
angeboten wird. Es könnte vielleicht auch einmal zu spät
sein, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen." Aber wer
diesem Thema nicht ausweicht und nach dem Licht sucht, der wird
es finden.
Johannes Seebe
Joh 6,37b: "Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde
ich nicht hinausstoßen."
Und noch einmal eine Erinnerung an ein "Ich-bin-Wort"
Jesu. "Ich bin das Brot des Lebens." Brot des Lebens,
ohne Bildsprache: Das was im Leben wirklich satt und zufrieden macht,
findet man, wenn man sich auf den Weg zu ihm macht. Wer das tut,
der wird nicht fort geschickt. Der bekommt, was er will und braucht.
Patrick Tavernier
2. Kor 3,17: "Der Herr ist der Geist; wo aber der Geist
des Herrn ist, da ist Freiheit."
Mit dem Geist ist hier der Heilige Geist gemeint, also die Kraft
und der Antrieb, die von Gott kommen. Diesen Geist Gottes brauchen
wir: seine Ideen, seine Phantasie, seinen Mut. Wer sich dahin ausrichtet,
für den ist nicht mehr so wichtig, was andere Menschen über
ihn sagen und denken. Der ist nicht mehr abhängig, sondern
er ist frei.
Joachim Weber
Röm 8,38-39: "Denn ich bin gewiss, dass weder Tod
noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges
noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere
Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus
Jesus ist, unserm Herrn."
Ein starkes Wort gegen die Lebensangst. So ähnlich wie vorhin:
"Hab keine Angst, ich habe die Welt überwunden."
Gott ist stärker als alle Angst, Gott ist stärker als
alles, was Angst macht. Nichts und niemand kann uns von ihm trennen,
wenn wir uns einmal richtig auf ihn eingelassen haben.
Ein starkes Schlusswort für uns alle: "Denn ich bin gewiss,
dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten,
weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch
Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe
Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn." Amen |