Evang.-Luth. Kirchengemeinde Bayreuth-Auferstehungskirche

Die Predigt vom 1. Januar 2006 (Neujahr):
»Gott lässt dich nicht fallen«

Kirchenjahr
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Der Ort der Predigt im Kirchenjahr
Die Evangelische Kirche beging den Neujahrstag. Sein Thema ist der Beginn „in Gottes Namen“. Evangelium (1. Lesung) war die Antrittspredigt Jesu in Nazareth. Der Predigt lag als Text die Jahreslosung 2006 zugrunde:
Predigttext
Sie können den Text auch online nachlesen. Weitere Bibellinks finden Sie unter Glaube und Leben.
Der Predigttext
Die Jahreslosung für das Jahr 2006
„Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“
Predigt
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Die Predigt
Sorge für die Zukunft

In der Zeitung vom Wochenende konnte man lesen, dass die Menschen in Deutschland bewusst Verantwortung für ihre Zukunft übernehmen. Wie wird es finanziell weitergehen? Wie wird es mit den sozialen Beziehungen weitergehen? Beides brauchen wir. Wir brauchen ein Netz, das so eng und so fest geknüpft ist, dass wir einmal nicht durch die Maschen fallen. Ob das sog. soziale Netz, das uns der Staat bietet, das auf die Dauer gewährleisten kann?
Weil Geld nicht alles ist, fragen die Menschen auch nach dem sozialen Halt. Sie besinnen sich auf die Familie, auf die Freunde, auf die Nachbarschaft. Auch die Vereine, so heißt es, würden als „soziale Heimat“ wieder wichtiger.

Suche nach Halt

Wir brauchen Halt im Leben. Wir suchen Halt im Leben. Wir wollen nicht fallen. Die Angst vor dem Fallen ist eine Urangst im Menschen: Wenn jemand nicht auf einen Turm steigen oder schmale Pfade in den Bergen gehen kann. Wenn jemand an der Hüfte oder am Knie operiert wurde und auf keinen Fall hinfallen soll. Manche erzählen, dass sie in ihren Träumen ins Bodenlose fallen. Manche erleben, dass Menschen sie fallen lassen wie eine heiße Kartoffel.

Die Jahreslosung

Ein Wort gegen die Zukunftsangst, ein Wort gegen die Angst zu fallen, ist die Jahreslosung für das Jahr 2006: „Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“
Das ist der Wortlaut nach der sog. Einheitsübersetzung. Bei Martin Luther heißt der Satz: „Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen.“ Und in der modernen Übersetzung der „Guten Nachricht“: „Niemals werde ich dir meine Hilfe entziehen, nie dich im Stich lassen.“

Bleiben wir beim veröffentlichten Wortlaut. „Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“ So können Sie es auch auf dem kleinen Lesezeichenkalender lesen, den Sie bekommen haben. „Ich lasse dich nicht fallen.“ Das wird auf dem Bild deutlich gemacht mit dem Bild des Fallschirms. Gott trägt und hält, so wie der Fallschirm hält.

Josua vor dem Jordan

„Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“ Das wird in der Bibel zu Josua, dem Nachfolger des Mose gesagt: Mose ist gestorben. Er durfte nach der Wüstenwanderung das gelobte Land nicht sehen. Und dann beruft Gott seinen Diener Mose zum Nachfolger, der das Volk in das versprochene Land führen soll. So lesen wir es im Buch Josua Kapitel 1. Nun stehen sie vor dem Jordanfluss. Sie stehen an der Schwelle. Sie stehen am Übergang. Was wird sie in dem neuen Land erwarten? Welche Feinde werden sich ihnen in den Weg stellen? Welche Schwierigkeiten werden sie meistern müssen?
Josua braucht Ermutigung. In diesem Moment soll er wissen, dass er sich auf Gott verlassen kann. Niemand soll ihm widerstehen. Gott wird mit ihm sein. Gott wird ihn nicht verlassen, nicht fallen lassen, nicht von seiner Seite weichen.

Damals und heute

Wir können diesen Abschnitt aus dem Buch Josua nur übertragen verstehen. Wir leben in gesicherten Verhältnissen. Wir sind nicht heimatlos. Uns ist nicht fremdes Land versprochen, das wir in Besitz nehmen dürfen. Viel Unheil gibt es übrigens in Israel, weil sich radikale Juden auf dieses Versprechen Gottes im Alten Testament beziehen und sagen: Das ganze Land gehört uns. Wir dürfen es uns nehmen ohne Rücksicht auf die politischen Verhältnisse.
Von Gewalt und auch von Gräueltaten im Namen Gottes lesen wir in den folgenden Geschichten. Gott ist oft ein kriegerischer Gott. Dazu können wir vom Neuen Testament her nicht ja sagen. In Jesus hat sich Gott ganz anders offenbart.

Das neue Jahr als unbekanntes Land

Wie können wir solche Verse aus dem Josuabuch lesen? Was ist übertragbar?
Auch wir stehen manchmal vor schweren Entscheidungen oder Aufgaben. Vielleicht und wahrscheinlich auch in diesem neuen Jahr. Wir haben sie vor uns wie den Jordan, den wir überschreiten müssen. Wir müssen es wagen. Das Land vor uns ist unbekannt. Was mag uns begegnen? Auf welche Hindernisse werden wir treffen? Werden wir die Kraft für alle Herausforderungen haben? Werden wir die Verantwortung tragen und die Schwierigkeiten meistern können?
Herausforderungen im Beruf. Herausforderungen in der Schule. Herausforderungen in Familie und Ehe. Ganz persönliche Herausforderungen, seelisch, gesundheitlich.
Ja, vielleicht muss jemand von uns, die wir heute morgen hier sind, in diesem Jahr im sprichwörtlichen Sinne „über den Jordan gehen“, weil Gott ihn zu sich ruft.

Warum sollten wir vor unserem Jordan, kurz hinter der Schwelle dieses neuen Jahres, Gottes Zusagen nicht auch für uns hören dürfen: Ich werde mit dir sein. Ich verlasse dich nicht. Ich lasse dich nicht allein. Ich weiche nicht von deiner Seite. Ich lasse dich nicht fallen.
Zusagen Gottes, die wir an anderer Stelle ähnlich finden: Ps 62,3 „Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht fallen werde.“ Ps 125,1 „Die auf den HERRN hoffen, werden nicht fallen, sondern ewig bleiben wie der Berg Zion.“

Wir wissen nicht, was kommt

Kurz hinter der Schwelle des neuen Jahres liegt das Jahr groß und weit vor uns wie ein unbekanntes Land. Wir wissen nicht, was kommt. Damit können sich viele Menschen nicht zufrieden geben. Seit alters gibt es Methoden gegen diese Unsicherheit: Bleigießen, Horoskope, Wahrsagen usw. Abgesehen davon, dass sie einem keine konkrete, verwertbare Antwort geben, ist damit die Frage nach dem Vertrauen gestellt. Für uns Christen gilt: Wir müssen nicht wissen, was kommt. Aber wir müssen wissen: Egal, was kommen mag, ist Gott an unserer Seite und lässt uns nicht fallen.

Das kann ganz gelassen machen und den Blick weiten. Denn das Jahr, das vor uns liegt wie ein großes weites Land, trägt ja nicht nur Unbekanntes in sich, das uns unsicher machen könnte. Es hat v.a. von Gott geschenkte Chancen und Möglichkeiten, die wir ergreifen dürfen.

Wegweisung in der Bibel

In diesem Zusammenhang dürfen wir auch die Fortsetzung der Worte in Josua 1 nicht unter den Tisch fallen lassen:

5 Es soll dir niemand widerstehen dein Leben lang. Wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. 7 Sei nur getrost und ganz unverzagt, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem Gesetz, das dir Mose, mein Knecht, geboten hat. Weiche nicht davon, weder zur Rechten noch zur Linken, damit du es recht ausrichten kannst, wohin du auch gehst. 8 Und lass das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem, was darin geschrieben steht. Dann wird es dir auf deinen Wegen gelingen, und du wirst es recht ausrichten.

Man beachte die Reihenfolge: Erst verspricht Gott dem Josua, dass er ihn nicht fallen lassen wird. Dann wird Josua an die Gebote Gottes und an die Worte der Schrift erinnert. Es steht nicht da: Nur wenn du meine Gebote nicht vergisst, stehe ich an deiner Seite.

Bedingungslose Zusage

Gottes Zusage ist bedingungslos. Sie steht. Aber dennoch gehört beides irgendwie zusammen. Könnten wir wirklich Gottes Beistand für das neue Jahr erbitten und gleichzeitig seine Gebote verachten? Könnten wir ernsthaft sagen: Wir wünschen, das er uns nicht fallen lässt, aber was er uns in der Bibel zu sagen hat, das interessiert uns nicht?
Nein, der uns verspricht, dass er an unserer Seite ist und uns nicht fallen lässt, der gibt uns auch Wegweiser an die Hand. Die Worte der Bibel sind keine Einschränkung unserer Freiheit, sondern eine Hilfe, wenn es darum geht, die Chancen dieses Jahres frohgemut zu ergreifen.
„Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht. Sei nur getrost und ganz unverzagt. Dann wird es dir auf deinen Wegen gelingen und du wirst es recht ausrichten.“
Evang.-Luth. Pfarramt Auferstehungskirche • Erikaweg 33 • 95447 Bayreuth • Tel. 0921-65270 • Fax 0921-75766289
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