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| Die Predigt |
Sorge für
die Zukunft
In der Zeitung vom Wochenende konnte man lesen, dass die Menschen
in Deutschland bewusst Verantwortung für ihre Zukunft übernehmen.
Wie wird es finanziell weitergehen? Wie wird es mit den sozialen Beziehungen
weitergehen? Beides brauchen wir. Wir brauchen ein Netz, das so eng
und so fest geknüpft ist, dass wir einmal nicht durch die Maschen
fallen. Ob das sog. soziale Netz, das uns der Staat bietet, das auf
die Dauer gewährleisten kann?
Weil Geld nicht alles ist, fragen die Menschen auch nach dem sozialen
Halt. Sie besinnen sich auf die Familie, auf die Freunde, auf die
Nachbarschaft. Auch die Vereine, so heißt es, würden als
„soziale Heimat“ wieder wichtiger.
Suche nach Halt
Wir brauchen Halt im Leben. Wir suchen Halt im Leben. Wir wollen nicht
fallen. Die Angst vor dem Fallen ist eine Urangst im Menschen: Wenn
jemand nicht auf einen Turm steigen oder schmale Pfade in den Bergen
gehen kann. Wenn jemand an der Hüfte oder am Knie operiert wurde
und auf keinen Fall hinfallen soll. Manche erzählen, dass sie
in ihren Träumen ins Bodenlose fallen. Manche erleben, dass Menschen
sie fallen lassen wie eine heiße Kartoffel.
Die Jahreslosung
Ein Wort gegen die Zukunftsangst, ein Wort gegen die Angst zu fallen,
ist die Jahreslosung für das Jahr 2006: „Gott spricht:
Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“
Das ist der Wortlaut nach der sog. Einheitsübersetzung. Bei Martin
Luther heißt der Satz: „Ich will dich nicht verlassen
noch von dir weichen.“ Und in der modernen Übersetzung
der „Guten Nachricht“: „Niemals werde ich dir
meine Hilfe entziehen, nie dich im Stich lassen.“
Bleiben wir beim veröffentlichten Wortlaut. „Gott spricht:
Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“ So können
Sie es auch auf dem kleinen Lesezeichenkalender lesen, den Sie bekommen
haben. „Ich lasse dich nicht fallen.“ Das wird auf dem
Bild deutlich gemacht mit dem Bild des Fallschirms. Gott trägt
und hält, so wie der Fallschirm hält.
Josua vor dem Jordan
„Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“
Das wird in der Bibel zu Josua, dem Nachfolger des Mose gesagt: Mose
ist gestorben. Er durfte nach der Wüstenwanderung das gelobte
Land nicht sehen. Und dann beruft Gott seinen Diener Mose zum Nachfolger,
der das Volk in das versprochene Land führen soll. So lesen wir
es im Buch Josua Kapitel 1. Nun stehen sie vor dem Jordanfluss. Sie
stehen an der Schwelle. Sie stehen am Übergang. Was wird sie
in dem neuen Land erwarten? Welche Feinde werden sich ihnen in den
Weg stellen? Welche Schwierigkeiten werden sie meistern müssen?
Josua braucht Ermutigung. In diesem Moment soll er wissen, dass er
sich auf Gott verlassen kann. Niemand soll ihm widerstehen. Gott wird
mit ihm sein. Gott wird ihn nicht verlassen, nicht fallen lassen,
nicht von seiner Seite weichen.
Damals und heute
Wir können diesen Abschnitt aus dem Buch Josua nur übertragen
verstehen. Wir leben in gesicherten Verhältnissen. Wir sind nicht
heimatlos. Uns ist nicht fremdes Land versprochen, das wir in Besitz
nehmen dürfen. Viel Unheil gibt es übrigens in Israel, weil
sich radikale Juden auf dieses Versprechen Gottes im Alten Testament
beziehen und sagen: Das ganze Land gehört uns. Wir dürfen
es uns nehmen ohne Rücksicht auf die politischen Verhältnisse.
Von Gewalt und auch von Gräueltaten im Namen Gottes lesen wir
in den folgenden Geschichten. Gott ist oft ein kriegerischer Gott.
Dazu können wir vom Neuen Testament her nicht ja sagen. In Jesus
hat sich Gott ganz anders offenbart.
Das neue Jahr als unbekanntes Land
Wie können wir solche Verse aus dem Josuabuch lesen? Was ist
übertragbar?
Auch wir stehen manchmal vor schweren Entscheidungen oder Aufgaben.
Vielleicht und wahrscheinlich auch in diesem neuen Jahr. Wir haben
sie vor uns wie den Jordan, den wir überschreiten müssen.
Wir müssen es wagen. Das Land vor uns ist unbekannt. Was mag
uns begegnen? Auf welche Hindernisse werden wir treffen? Werden wir
die Kraft für alle Herausforderungen haben? Werden wir die Verantwortung
tragen und die Schwierigkeiten meistern können?
Herausforderungen im Beruf. Herausforderungen in der Schule. Herausforderungen
in Familie und Ehe. Ganz persönliche Herausforderungen, seelisch,
gesundheitlich.
Ja, vielleicht muss jemand von uns, die wir heute morgen hier sind,
in diesem Jahr im sprichwörtlichen Sinne „über den
Jordan gehen“, weil Gott ihn zu sich ruft.
Warum sollten wir vor unserem Jordan, kurz hinter der Schwelle dieses
neuen Jahres, Gottes Zusagen nicht auch für uns hören dürfen:
Ich werde mit dir sein. Ich verlasse dich nicht. Ich lasse dich nicht
allein. Ich weiche nicht von deiner Seite. Ich lasse dich nicht fallen.
Zusagen Gottes, die wir an anderer Stelle ähnlich finden: Ps
62,3 „Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass
ich gewiss nicht fallen werde.“ Ps 125,1 „Die auf den
HERRN hoffen, werden nicht fallen, sondern ewig bleiben wie der Berg
Zion.“
Wir wissen nicht, was kommt
Kurz hinter der Schwelle des neuen Jahres liegt das Jahr groß
und weit vor uns wie ein unbekanntes Land. Wir wissen nicht, was kommt.
Damit können sich viele Menschen nicht zufrieden geben. Seit
alters gibt es Methoden gegen diese Unsicherheit: Bleigießen,
Horoskope, Wahrsagen usw. Abgesehen davon, dass sie einem keine konkrete,
verwertbare Antwort geben, ist damit die Frage nach dem Vertrauen
gestellt. Für uns Christen gilt: Wir müssen nicht wissen,
was kommt. Aber wir müssen wissen: Egal, was kommen mag, ist
Gott an unserer Seite und lässt uns nicht fallen.
Das kann ganz gelassen machen und den Blick weiten. Denn das Jahr,
das vor uns liegt wie ein großes weites Land, trägt ja
nicht nur Unbekanntes in sich, das uns unsicher machen könnte.
Es hat v.a. von Gott geschenkte Chancen und Möglichkeiten, die
wir ergreifen dürfen.
Wegweisung in der Bibel
In diesem Zusammenhang dürfen wir auch die Fortsetzung der Worte
in Josua 1 nicht unter den Tisch fallen lassen:
5 Es soll dir niemand widerstehen dein Leben lang. Wie ich mit
Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht
verlassen noch von dir weichen. 7 Sei nur getrost und ganz unverzagt,
dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem Gesetz, das
dir Mose, mein Knecht, geboten hat. Weiche nicht davon, weder zur
Rechten noch zur Linken, damit du es recht ausrichten kannst, wohin
du auch gehst. 8 Und lass das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem
Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht, dass du hältst
und tust in allen Dingen nach dem, was darin geschrieben steht. Dann
wird es dir auf deinen Wegen gelingen, und du wirst es recht ausrichten.
Man beachte die Reihenfolge: Erst verspricht Gott dem Josua, dass
er ihn nicht fallen lassen wird. Dann wird Josua an die Gebote Gottes
und an die Worte der Schrift erinnert. Es steht nicht da: Nur wenn
du meine Gebote nicht vergisst, stehe ich an deiner Seite.
Bedingungslose Zusage
Gottes Zusage ist bedingungslos. Sie steht. Aber dennoch gehört
beides irgendwie zusammen. Könnten wir wirklich Gottes Beistand
für das neue Jahr erbitten und gleichzeitig seine Gebote verachten?
Könnten wir ernsthaft sagen: Wir wünschen, das er uns nicht
fallen lässt, aber was er uns in der Bibel zu sagen hat, das
interessiert uns nicht?
Nein, der uns verspricht, dass er an unserer Seite ist und uns nicht
fallen lässt, der gibt uns auch Wegweiser an die Hand. Die Worte
der Bibel sind keine Einschränkung unserer Freiheit, sondern
eine Hilfe, wenn es darum geht, die Chancen dieses Jahres frohgemut
zu ergreifen.
„Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht. Sei
nur getrost und ganz unverzagt. Dann wird es dir auf deinen Wegen
gelingen und du wirst es recht ausrichten.“ |
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